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Gläus über

Gläus Basler Fasnacht 2010

Gläus - Wer wir sind und was wir tun

Was heisst Gläus?

Die Bezeichnung Gläus stammt vom Baseldeutschen Santiglaus, was soviel wie Sankt Nikolaus heisst. Santiglaus ist also der hiesige Ausdruck für den Weihnachtsmann. Das Santi im Glaus wurde kurzerhand gestrichen. Gläus als Mehrzahl von Glaus ist demnach einfach eine Abkürzung und müsste, ginge es nach Suter (Rudolf Suter, Baseldeutsch-Wörterbuch, Basel 1992, S. 184), korrekt Glais heissen.

Wir wollen aber nicht übertreiben, schliesslich gehören wir auch nicht dem Daig (von Teig, als Bezeichnung für die ‚bessere’ Basler Gesellschaft) an und sprechen lieber so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. (Einzahl bedeutet Glais übrigens Geleise, hoho.) Lässt man den Heiligenteil, also das Santi weg, so steht Glaus gemäss Suter (S. 93) einerseits für den Namen Klaus oder Niklaus, andererseits war es Mitte des 20. Jahrhunderts auch ein populärer Ausdruck für Dummkopf oder Nichtskönner... Wie gesagt, Gläus bezieht sich bei uns auf den Weihnachtsmann. Allerdings kann man nicht abstreiten, dass manch ein Glaus, v. a. wenn es auf närrische Zeiten zugeht, durchaus auf dumme Gedanken kommt und sich zuweilen in Zustände begibt, wo er dann auch nichts mehr kann!?!

Gläus am Basler Fasnachtsdienstag

Ja, die närrischen Zeiten zu Basel, oder richtig die Basler Fasnacht ist denn auch der Anlass, warum es d’Gläus überhaupt gibt: Am Fasnachtsdienstag sind wir als Tambourengruppe unterwegs. Und natürlich stellt sich jetzt zwangsläufig die Frage, weshalb nur am Dienstag, wo doch die Fasnacht von Montag bis Mittwoch dauert? Die Antwort ist einfach: Wir sind eine sogenannte Zyschtigsgruppe. Zyschtig heisst Dienstag und dieser Tag ist der Tag aller Tage für einen Fasnächtler. Also das Nonplusplusultra, das süsseste aller Sahnehäubchen, Champagnerkorkenknallen hoch zehn, frohlockendes Frohlocken, kurz: ‚Mer hän der Himmel uff ärde’. Während wir am Montag und Mittwoch an unsere Cliquen gebunden sind und den Cortège bestreiten, ist der Dienstag frei gestaltbar. D.h. in Bezug auf Ort, Zeit, Personen und Kostümierung macht jeder, was er will. Alle die bei uns mitmachen, haben sich dafür entschieden, den Dienstag als Gläuse zu bestreiten. Man kann, wenn man will, am Dienstag auch nach Engelberg Ski fahren gehen, hohoho. Wir bevorzugen da allerdings eher konventionellere Fasnachtspraktiken.

Auszwei stammen verschiedenen Cliquen zusammengewürfelt

Als zusammengewürfelte Gruppierung sind die Meisten von uns aus der Basler Mittwoch-Gesellschaft (kurz BMG) – machen also am Montag und am Mittwoch bei dieser Clique mit. Einige sind bei den onYva zu hause und zwei stammen von den Opti-Mischte. Die BMG ist eine reine Männerclique und deshalb gibt es auch bei den Gläus nur Männer. Wir treffen uns gegen 11 Uhr vormittags im Restaurant Löwenzorn am Gemsberg 2-4. Einige Verrückte sind schon ab 9 Uhr unterwegs. Unser Kostüm ist der Glaus, also der St. Nikolaus und mit diesem geht es dann als Tambourengruppe los. D.h. bei uns wird nur getrommelt, es gibt keine Pfeifer! Dafür gibt es noch einen Esel, weil der Santiglaus ja auch immer einen dabei hat (zumindest in unseren Breitengraden). Ab 20.00 Uhr bis ca. 01.00 Uhr sind wir dann wieder mit der BMG unterwegs. Als eine der wenigen Cliquen Basels hat diese (wie auch der Dupf-Club) am Zyschtig einen offiziellen Programmteil.

Wie es zum Namen kam

Die Idee als Weihnachtsmänner kostümiert den Zyschtig zu bestreiten, kam den Gründer-Gläusen übrigens im Dezember 1994. Bei einem Umgang (Kneipentour), zu später Stunde und wohl auf dem Weg ins Kleinbasel, erblickten diese im Schaufenster des Modehauses Feldpausch Schaufensterpuppen, die als Weihnachtsmänner verkleidet waren. Im Zustand der Halbnüchternheit hat dieser Anblick derart amüsiert, dass ein Beschluss kurzerhand gefasst und danach auch gerade begossen wurde. Rational ist dieser zugegebenermassen im Nachhinein nicht zu vollziehen... Was wir damals nicht wussten: 1946 war die Junge Garde der Basler Mittwoch-Gesellschaft mit dem Sujet 'Profi Niggi Näggi' unterwegs. Das Foto, das wir im Archiv der BMG entdeckt haben, zeigt vermutlich die Junge Garde 1946 im Sujetkostüm. Gläus - Zufall oder Intuition?

Gläus - eine wissenschaftliche Untersuchung

Allgemein

Der Glaus (lat. Nicolai) ist eine trommelnde Primatenart aus der Familie der Fasnächtler (Homo carnevalae). Gemeinsam mit dem Pfeifer (Fistulator vulgaris) bildet er die Gattung der traditionellen Basler Cliquen (Turma basiliensis). Von seinem bekannten Verwandten, dem Basler Tambour (Potator basiliensis), unterscheidet er sich durch übermässigem Bartwuchs und zwanghaftem Stöhnen ("ho-ho-ho").

Körperbau

Gläus erreichen eine Kopfrumpflänge von 153 bis 189 Zentimetern, wie alle Basler Tambouren sind sie schwanzlos (d.h. keine Rute!). Hinsichtlich des Gewichtes herrscht ein deutlicher Instrumentendimorphismus: während Tambouren ein Gewicht von 80 bis 120 Kilogramm erreichen, werden Pfeifer nur rund 40 bis 80 Kilogramm schwer (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das Fell ist Rot oder Schwarz gefärbt.

Verbreitung und Lebensraum

Gläus sind in der Region Basel endemisch, wo sie nur im Gross- und Kleinbasel vorkommen. Der Flussbogen des Rheines stellt die Grenze zum Jagd- und Saufgebiet dar. Im Gegensatz zum Basler (Homo basiliensis) sind Gläus auf Bierbeizen beschränkt, wo sie sich vorwiegend aufhalten und jagen.

Fortbewegung und Aktivitätszeiten

Gläus können sich bei der Nahrungssuche sowohl in Bierbeizen als auch in Privatwohnungen aufhalten, sie sind jedoch vorrangig Beizengänger. In den Beizen bewegen sie sich meist schleppend und torkelnd fort, das heisst sie klammern sich mit beiden Händen am Bierglas fest. Nüchtern zeigen sie eine grössere Bewegungsvielfalt (zweibeinig, vereinzelt mit fahrbarem Untersatz).
Wie alle Tambouren sind sie nachtaktiv. Höhepunkte ihrer Aktivität liegen um Mitternacht und in den frühen Morgenstunden. Zur Tageszeit rasten sie.

Sozialverhalten

Die Sozialstruktur der Gläus wird als "Fission-Fusion-ORganisation" (Trennen und Zusammenkommen) beschrieben. Das bedeutet, sie leben in Grossgruppen von 20-30 Tambouren, die sich oft in Untergruppen während des Jahres von meist 6-10 Tambouren aufteilen, um während der Karnevalszeit wieder zusammenzukommen.

Sexuelle Interaktion

Die Interaktion mit weiblichen Primaten findet meist ausserhalb der Karnevalszeit statt. Dies dürfte der Freude am Karneval dienen (Fasnacht in Basel war lange reine Männersache) und wird unabhängig vom Alter so gehandhabt. Ausnahme ist das Gewähren sexueller Kontakte zu Hause bei Futtermangel oder übermässiger Spermaproduktion. Der Geschlechtsverkehr kann dabei auch mit zugewandten Gesichtern (Missionarsstellung) erfolgen. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme gschieht dies aber nicht ausschliesslich, sondern nur rund in einem Drittel der Fälle. Andere Formen beinhalten gelegentlichen das Streicheln der Genitalien und Oralsex. Letzteres wird häufig vom Weibchen praktiziert, da es der Versöhnung und der Regulierung von Spannungen mit dem Glaus zu Hause dient. Es zeigt auch die hierarchische Rangstufe, da es häufig vom rangniederen Weibchen begonnen wird.

Werkzeuggebrauch

Im Gegensatz zum Pfeifer ist bei den Gläusen in freier Natur kein Werkzeuggebrauch bekannt. Die Gründe dafür sind nicht genau geklärt, man vermutet aber, dass für ihre hauptsächlich aus Gersten, Hopfen und Malz bestehende Nahrung keine Notwendigkeit besteht. Bei Gläusen in weiblicher Obhut lässt sich hingegen die Verwendung von Werkzeugen (Messer und Gabel) beobachten.

Kommunikation

Verglichen mit gemeinen Fasnächtlern überwiegen in der Kommunikation die lautlichen äusserungen ("Ho-ho-ho"s, Furzen und Rülpsen) gegenüber der Verwendung von Körperhaltung und Gesichtsausdrücken, was vermutlich durch ihr Leben in dunklen Bierbeizen bedingt ist. Ein lauter Rülpser dient der Kontaktaufnahme, ein an Donnergroll erinnernder Furz stellt eine Warnung dar. Andere Laute können Aufregung, Zufriedenheit und anderer mehr ausrücken. Ein hechelndes Ein- und Ausatmen stellt ein äquivalent zum vulgären Lachen dar.

Bedrohung

Gläuse gelten als bedrohte Primatenart, sowohl aufgrund der Verdrängung aus ihrem Lebensraum durch lärmende Formationen (Guggenmusik u.ä.), als auch aufgrund des Eindringens weiblicher "Tambeusen" in Bierbeizen als dramatische Folge der Emanzipation.

Literatur

1. Flavio Confetti: Gläuse, Sex und Gesellschaft
2. Morgen S. Treich: Kulturelle und linguistische Kompetenzen der Gläuse
3. Waggis (2003), S. 209

Galerie

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